LogoWir schreiben den 14. Juli 2020. Der einzige Satz, der an diesem Tag noch irgendein Gefühl in den Klassenzimmern der 11. Jahrgangsstufe hervorruft ist: „Boaaaah, wir wären heute auf Studienfahrt gefahren…“

Und natürlich ist es unglaublich traurig, dass wir dieses Jahr nicht unsere lang ersehnte und perfekt geplante Fahrt nach Canterbury antreten konnten, aber während der globalen Pandemie trägt jeder seinen Teil dazu bei, seine Mitmenschen zu schützen und die #CurveZuFlatten. Die diesjährige Studienfahrt war irgendwie unser ganz persönlicher Brexit, nur mit dem Unterschied, dass wir nie in England waren. Aber im Jahr der Pandemie geht es ja immer darum, dass neue Wege gefunden werden. So machen auch wir das. Sie haben die letzten Jahre immer das Gleiche in den Berichten gelesen. Also machen wir das dieses Jahr mal anders.

Wir haben uns gedacht, wir nehmen Sie heute mal mit auf eine Gedankenreise, ein Brainstorming, wie die Fahrt hätte aussehen können und wie sie vom P-Seminar unter der Leitung von Herrn Gegesz geplant war. Aber beginnen wir ganz am Anfang: Unser 16-köpfiges P-Seminar „British Food: Disaster or Delicious“ hat ziemlich chaotisch begonnen und zunächst lange und ausführlich überlegt. Man hätte sagen können, der Start war ein reines Linksfahren, was in England Standard gewesen wäre – wir mussten uns an die britischen Gewohnheiten aber erst einmal herantasten. Zwischendurch hatten wir so wenig Lust, andere Leute mitzunehmen, dass wir überlegt haben, nur als P-Seminar zu fahren. Dann ist uns eingefallen, dass wir das Shakespeare-Seminar mitnehmen sollten und auch den Bus hätten alleine bezahlen müssen, was sehr teuer geworden wäre. Nach anfänglichen Überlegungen, mit Bahn oder Flugzeug nach Canterbury zu kommen und dem Problem, dass wir den Termin verschieben mussten, da die Bischofskonferenz in Canterbury stattfinden würde, wurden wir aber schnell zu einem eingespielten Team. „48 € x 45 Personen = 2160€ → zu teuer!“ steht als Fazit zum Vorschlag, mit der Bahn zu reisen in dem Ordner einer P-Seminarteilnehmerin. Eine andere Hürde: Ein Schüler des Seminars war nur wegen der Fahrt nach England beim Ausländeramt, um den ewigen Prozess auf sich zu nehmen, ein Visum zu beantragen. Deswegen ist es natürlich umso ärgerlicher, dass die Studienfahrt nicht stattfinden konnte.

Trotz der unglaublich professionellen Organisation, sind wir natürlich kein Reiseunternehmen, haben Ihnen aber einige wunderschöne und nostalgische Bilder aus England angehängt. Die Teilnehmenden der Studienfahrt des letzten Jahres waren so nett, uns einige Bilder von dort zu schicken.

Jetzt aber zur eigentlichen Fahrt, lassen Sie sich gerne auf die kleine Reise ein und träumen mit uns von der Studienfahrt nach Südengland:

Es ist ein Dienstag in einer lauen Julinacht – der 14. Juli, um genau zu sein – man sieht um 1:30 Uhr einen Reisebus voller verschlafener Schülerinnen und Schüler mit Augenringen bis ans andere Ende der Welt und nicht unbedingt besser ausgeruhten Lehrkräften am Theaterparkplatz Hof abfahren. Sie stehen kurz vor einem der absoluten Highlights ihres Oberstufenlebens. Nach einer zu langen Fahrt für alle Beteiligten durch Frankreich, mit der Fähre und noch eine weitere Stunde durch Südengland, ist das Ziel um 17 Uhr Ortszeit endlich in Sicht: Canterbury und die University of Kent in ihrer vollen Pracht! Nicht ganz so prachtvoll waren die Zimmer, aber trotzdem sehr gemütlich und gesellig. Alle Teilnehmenden hatten dann Zeit, ihre Zimmer zu beziehen, den inneren Sternekoch rauszuholen – denn wir befinden uns alle in Selbstversorgerhäusern – und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Am nächsten Tag ging es früh weiter, denn auf dem Gegesz‘schen Plan steht die Besichtigung der Kathedrale von Canterbury mit Audioguide. Anschließend wurden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt in Kleingruppen besichtigt und der Tag neigte sich dem Ende zu, während die Sonne über dem pittoresken Campus unterging. Am Donnerstag folgte endlich die lang ersehnte Fahrt in die Weltmetropole London. Vormittags war ein gemeinsamer Rundgang angedacht, danach teilte sich die Gruppe wieder in Kleingruppen auf und besichtigte diverse Sehenswürdigkeiten, wie den Big Ben, Buckingham Palace oder das London Eye. Schade, dass die Queen nicht zu Hause war, also gab es ihr Heim für uns nur von außen zu sehen, und am Abend dann den famosen britischen Tee – ein Erlebnis für sich. Ein kleines Abenteuer erwartete uns auch am nächsten Tag in Greenwich: Wir sprangen am Nullmeridian von der Ost- auf die Westhalbkugel, besuchten das Royal Observatory sowie das National Maritime Museum, bevor wir die Rückfahrt nach Canterbury antraten. Am Samstag ging es ein weiteres Mal nach London: Nach einer Fahrt mit dem Boot entlang der Themse, gab es für alle Interessierten die Möglichkeit, eine Aufführung im Globe Theatre zu bestaunen: In ‚Twelfth Night‘ praktizierte das Publikum den perfekten Eskapismus, als sie Viola – oder doch Sebastian?! – dabei zusahen, alle anderen Charaktere mit den wechselnden Geschlechter-Rollen zu verwirren. Andere Schülerinnen und Schüler hatten die Chance ergriffen und diverse Museen fakultativ besichtigt, oder waren einfach nur shoppen oder essen. Nach diesem anstrengenden Tag in der Metropole ging es schließlich auch zurück zum Campus von Kent. Am Sonntag erwartete uns eine Tagesfahrt nach Dover, verbunden mit einer Besichtigung des beeindruckenden Dover Castle und einem anschließenden Ausflug nach Broadstairs mit einer entspannenden Strand-Wanderung, die sehr zur Erholung vom Großstadt-Flair beigetragen hat. Den letzten Tag verbrachten alle Teilnehmenden mit verschiedenen Aktivitäten zum Zeitvertreib in Canterbury und einem gemeinsamen Abendessen in einem indischen Restaurant. Am Dienstag folgte auch schon die Rückfahrt ins vertraute Hof durch den Eurotunnel und wir konnten all unsere Erinnerungen nochmal gemeinsam durchleben – oder einfach nur schlafen, bevor wir nach einer schönen Woche zwischen idyllischem Südengland und Großstadt-Tourismus wieder in der Realität ankamen.

Richtig – in der Realität ankamen. Denn das alles hätte natürlich so passieren können, ist es aber nicht – ganz getreu dem Realismus. Haben Sie sich nach England versetzt gefühlt? Wir hoffen doch, denn das war unser Wunsch. Die Wirklichkeit sah – wie gesagt – leider etwas anders aus: Grenzschließungen, Reisebeschränkungen und Probleme mit Stornierungen.

An dieser Stelle wollen wir uns noch bei allen Beteiligten an der geplanten Fahrt bedanken: Zuerst bei Frau Zimmermann und Herrn Gegesz, die es so lange mit uns ausgehalten haben und uns sanft bremsten, wenn wir mal wieder zu groß geträumt haben. Danke auch an das P-Seminar für das tolle Engagement, was das Auswählen von Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten angeht. Unser Motto „British Food: Disaster or Delicious“ hätten wir am Abend der Wissenschaf(f)t erfüllt, wo wir für das Catering eingeplant waren, was aber auch ausfallen muss.

Zuletzt bleibt uns nur zu hoffen und zu wünschen, dass nachfolgende Jahrgänge ihre Studienfahrt auch real erleben dürfen und nicht auf eine Fantasiereise mit Bildern des Vorjahres zurückgreifen müssen. Für uns war es ein großer Stich ins Herz, dass dieses mit Liebe geplante Projekt, auf das wir fast unsere gesamte Gymnasiallaufbahn hingefiebert haben, ausgefallen ist.
Aber na ja, was soll man sagen – „Shit happens!“

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