Schiller Logo kleinWas tun, wenn man einfach nicht mehr weiter kommt? Wenn der “innere Schweinehund” den Weg versperrt? Wenn das Ziel so greifbar nah und dennoch so entfernt erscheint?

Das Schiller-Gymnasium Hof geht mit einem alle Klassenstufen umfassenden, multifacettalen Coaching-Projekt neue Wege um seine Schüler zu unterstützen und arbeitet dabei auch eng mit einem erfahrenen Berater aus dem Personalbereich zusammen.
Zum einen wurden hierbei im vergangenen Schuljahr bereits für Schüler kostenfreie DNLA-Testungen angeboten und durchgeführt, die gerade im Bereich der sogenannten soft skills ihren Fokus haben. Das standardisierte, computerbasierte Verfahren DNLA zur Messung der sozialen Kompetenz (Discovering Natural Latent Abilities) fordert zu einem aktiven Nachdenken über sich selbst heraus und stellt etwa die Frage nach dem eigenen Leistungsdrang, der Einsatzfreude, der Eigenverantwortlichkeit, aber ebenso der Misserfolgstoleranz. Die Testungen wurden dabei in einem einstündigen, individuellen Beratungsgespräch mit Diplomkaufmann Werner Kotschenreuther nachbesprochen um den größtmöglichen Gewinn aus der Potenzialanalyse zu erzielen.
Werner Kotschenreuther ist ein erfahrener Coach auf dem Gebiet und kann mit 30 Jahren Erfahrung in der Personalarbeit aufwarten; aufgrund von Führungstrainings für Schulleiter und Berufsorientierungstrainings für Schüler und Studenten ist er sowohl mit innerschulischen, aber auch außerschulischen Kontexten vertraut und kann den Schülern ein realistisches Bild der Welt außerhalb des Kosmos Schule zeichnen.
Doch die DNLA-Testungen, die in diesem Schuljahr erneut aufgenommen werden – mit Unterstützung durch das Landratsamt Hof, die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, den Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie und den Förderverein Schulgemeinde des Schiller-Gymnasiums Hof – sind nur ein Baustein im Coaching-Bereich, bei dem die Schule mit dem Wirtschaftsexperten zusammenarbeitet.
Im Oktober fand für die Jahrgangsstufe Q11 ein Vortrag, gemeinsam mit Beratungslehrerin Studiendirektorin Sabine Bodenschatz, statt – unter dem Motto “Yes, you can”. Was wie ein schon etwas abgegriffener Slogan klingt, hat es durchaus in sich: Eine positive Grundhaltung, die Verlagerung der Eigenverantwortlichkeit auf den Schüler selbst und das Zutrauen, dass man Erfolg haben wird. Und genau an dieser Stelle holten sich die beiden Referenten weitere Experten ins Boot: Julius Fleßa, Steven Gebel, Jonah Petrahn und Alexander Thoss – allesamt Schüler der Oberstufe des Schiller-Gymnasiums Hof. Die Vier berichteten im Plenum von dem, was sie antreibt, bewegt und wie sie mit Motivationsblockaden umgehen.
Das Interview zum Vortrag wurde geführt von Sabine Bodenschatz.
SB: Jonah, du bist in der 10. Klasse, hast 2017 den 1. Preis im Bundeswettbewerb Jugend musiziert im Fach Klavier gewonnen, 2016 hast du dort im Fach Geige den 2. Preis abgeräumt; seit etwa eineinhalb Jahren studierst du parallel zur Schule an der Hochschule in Würzburg bei Professor Zack Geige. Wie schaffst du das und was treibt dich an?

Jonah: Ich spiele Geige, seit ich dreieinhalb Jahre bin, das Klavierspiel habe ich mit fünf begonnen. Ich brenne einfach für die Musik und arbeite auf meine Traumstücke hin. Täglich übe ich dafür etwa drei Stunden Geige, eine Stunde am Klavier – vor Wettbewerben und Konzerten sowie am Wochenende ist das durchaus noch mehr; das Arbeiten für die Schule kann ich dann tatsächlich erst nach dem Abendessen beginnen.

SB: Wie strukturierst du dich dabei, sodass du den Überblick nicht verlierst?

Jonah: Ich setze mir kleine und große Ziele: Die kleinen sind da z.B. der Unterricht in Würzburg oder auch Auftritte – die großen dann die Wettbewerbe oder auch das Halbjahresklassenspiel bei meinem Professor. Außerdem überlege ich mir, was ich für das Erreichen dieser Ziele benötige, etwa an welcher Technik ich feilen muss.

SB: Und, ganz ehrlich, was machst du, wenn dir das Üben doch einmal schwer fällt?

Jonah: Ich kenne das auch schon und manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gerade nicht weiter komme. Aber ich weiß, dass man absolut keine Chance hat sich weiter zu bewegen, wenn man aufhört.

Kotschenreuther: Ziele, für die man brennt, sind also die Grundlage für die Anstrengung, eine Leidenschaft mit hoher Wertigkeit, die aus einem selbst kommt. Julius und Steven, ihr seid Allrounder – Schule läuft, zudem seid ihr sportlich und musikalisch gut unterwegs. Was ist euer Geheimnis?

Julius: Für mich ist einer der zentralen Schlüssel die Neugierde, ein Offensein für die Welt – ich finde es toll, in viele Bereiche hineinzuschnuppern, auch alles in der Welt, was mir begegnet, zu hinterfragen. So führe ich z.B. ein Notizbuch, in das ich mir meine Ideen notiere.

Kotschenreuther: Wenn Sie sich nun für so viele Dinge interessieren, befinden Sie sich jedoch im klassischen Zielfindungsdilemma - wie stellen Sie die Weichen?

Julius: Ich setze mir ein übergeordnetes Ziel, danach kann ich “herunterplanen”; so möchte ich ein möglichst gutes Abitur machen, damit meine Auswahlmöglichkeiten für Studium und Universität groß sind; im Anschluss daran möchte ich mich auch durch Ausprobieren meinem Ziel nähern: Entweder möchte ich Jura oder Medizin studieren, Praktika helfen mir bei der Entscheidungsfindung.

Kotschenreuther: Das Abitur hat somit also einen instrumentellen Charakter, d.h., es ist Mittel zum Zweck oder, anders formuliert, ein Meilenstein auf dem Weg zum beruflichen Ziel.

Julius: Ja, klar; aber man kommt auch ein Stück weiter, wenn man weiß, was einem nicht gefällt. Auf der anderen Seite gebe ich gleichzeitig auch Jonah Recht: Manchmal ist man vielleicht einfach lustlos. Aber man sollte sich überlegen: Gebe ich der Lustlosigkeit nach? Welche Wirkung hat das dann auf mein Ziel und kann ich es so überhaupt erreichen?

SB: Steven, das klingt ja alles recht einfach. Sich interessieren, planen, arbeiten – und schon geht alles seinen Gang…Wie fördert man Interessen und Neugierde?

Steven: Ich bin überzeugt davon, dass sich jeder für etwas interessiert – manchmal trauen sich viele aber nicht, zu ihren Interessen und Meinungen zu stehen. Gerade bei Menschen, die nicht dem Mainstream folgen, finde es wichtig, dass man ihnen Freiraum für das gewährt, was ihnen zum Finden der eigenen Position zentral erscheint. Auch bin ich der Meinung, dass man sich durchaus zutrauen soll, verschiedene Dinge auszuprobieren – denn dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas für sich findet. Das soziale Umfeld sollte den individuellen Reflexionsprozess unterstützen.

Kotschenreuther: Auch das kennt man aus der Wirtschaft: Einen Raum aufbauen, Visionen entwickeln und sich dann auf die Zielstellung fokussieren.

Steven: Aber ohne die Unterstützung durch Elternhaus, Familie, Freunde oder aber ihre Vereine trauen sich viele das nicht zu. Misserfolgstoleranz kann man nur aufbauen, indem diese auch als erzieherischer Wert anerkannt wird.

SB: Wie gehst du mit Misserfolgen um?

Steven: Für mich ist das Motto: immer weitermachen! Arbeit, die man in etwas investiert, ist nie umsonst, mitunter trägt sie aber erst später Früchte.

Kotschenreuther: Zusammengefasst heißt das also, dass man seinen Erfolg auch wesentlich selbst steuern kann.

SB: Erzeugt das aber nicht gleichzeitig einen großen Druck?

Julius: Nicht unbedingt, wenn man überlegt, wie man mit einem Misserfolg umgehen möchte – ist er relevant für mein Ziel oder behindert er das Erreichen? Wenn nicht, empfehle ich einfach mehr Gelassenheit.

Steven: Zudem sollte man unterscheiden, ob ein Ergebnis nur von einem selbst oder gleichzeitig von anderen, nicht steuerbaren Faktoren abhängt; auch das kann im Falle eines Misserfolgs Druck abbauen. Und schließlich: nicht verzweifeln, wenn einmal etwas schiefgegangen ist!

Kotschenreuther: Nun gibt es Schüler wie euch, die sich schulisch wie privat gerne mit anderen messen – andere wiederum scheuen den Wettbewerb.

Julius: Hier entscheidet wohl der feine Unterschied: „Sich messen“ und „sich vergleichen“ sind nicht synonym; denn auch wenn ich gerne gewinne, so weiß ich doch stets, dass es immer einen geben wird, der besser ist als ich.

SB: Eine Stärken-/ Schwächenanalyse kann in diesem Kontext vermutlich bestimmt zur Klärung beitragen…

Kotschenreuther : Dem stimme ich zu. Wie bekommen Sie Ihre „PS auf den Boden“?

Julius: Zum einen, indem ich effektiv arbeite. Je besser ich das mache, desto mehr Zeit bleibt mir für meine Hobbys. Zum anderen weiß ich, bei Müdigkeit oder Lustlosigkeit hilft bei mir immer Sport, da bekomme ich den Kopf frei.

Steven: Desgleichen sollte man Lernstrategien unter die Lupe nehmen – wenn sie nicht funktionieren, sollte man sie über Bord werfen. Ebenso ist eine zu starke Fokussierung auf die schulischen Inhalte manchmal kontraproduktiv.

Kotschenreuther: Erfolge im außerschulischen Bereich können ein wesentlicher Motivationsmotor sein, da sie die Folgen des persönlichen Einsatzes zeigen…

SB: …und so das Selbstbild steigern.
Herr Kotschenreuther, welche Funktion kommt hier einer DNLA-Testung zu?

Kotschenreuther: Der Test untersucht, wo Verbesserungspotenziale, aber auch Handlungsbedarfe schlummern. Wo kann ich Stärken aufbauen? Der DNLA hilft, dies zu erkennen. Besondere Bedeutung messe ich dabei den strukturierten Interviews im Anschluss an die Testung zu, die als tiefer gehende Gespräche individualisiert und passgenau für jeden Schüler sind. Ziel ist dabei in Begleitung der Lehrer die Verbesserung der eigenen Strategie sowie einer Zielentwicklung. Bildlich gesprochen: Wo ist der Leuchtturm, auf den ich zusteuere? Um auf das Thema des Vortrags Bezug zu nehmen, kann man auch hier sehen, dass es im Präsens formuliert ist und ein Zuwarten eher bremst.

SB: Alex, ist das ein Konzept, das dir als Triathlet bekannt vorkommt?

Alexander: Für mich sind Durchhaltevermögen und Ehrgeiz taktische Aspekte; vor einem Wettkampf bin ich immer wie in einem Tunnel und sehr fokussiert. Danach löst sich die Anspannung und ich bin einfach happy.

SB: Magst du alle Disziplinen gleich gern?

Alexander: Nein, das Laufen steht bei mir eher nicht ganz vorne. Aber: Ich bin nun einmal Triathlet, da gehört es dazu und also muss ich da durch, sonst erreiche ich mein Ziel ganz logischerweise nicht.

Kotschenreuther: Welche Rolle spielen dabei die anderen?

Alexander: Früher war es für mich alles, Erster zu sein. Mittlerweile kämpfe ich sowohl für als auch gegen mich, ich bin mein eigener Maßstab.

SB: Der ja bei dir sehr hoch ist. Wie organisierst du dich schulisch?

Alexander: Manches ist tatsächlich nur sehr kurzfristig zu machen, da der Klausurenplan sehr dicht ist. Ich versuche, im Unterricht gut aufzupassen, damit sich keine Lücken aufbauen. Vom Sport und meinem Trainingsplan her weiß ich, dass die Konzentration zum richtigen Zeitpunkt Zeit spart.

SB: Herr Kotschenreuther, was sind Ihre persönlichen Tipps zum Erfolg?

Kotschenreuther: Ich denke, die Schüler haben hier bereits ganz wesentliche Dinge erkannt und setzen diese auch um. Für mich habe ich gelernt, dass nicht immer alles aus einer bestimmten Perspektive erkennbar ist; daher ist die Offenheit, Dinge, die auf dem Weg in Erscheinung treten, anzunehmen, Weggabelungen zuzulassen, oft erfolgsförderlich. Genauso wie aber auch der Realitätssinn, sich von ungeeigneten Themen und Verhaltensweisen rechtzeitig zu verabschieden. Als Haltung sind für mich Neugier, Reflexion, Zuversicht und Durchhaltevermögen ergebnisrelevant.

SB: Danke an alle Beteiligten für das Gespräch und weiterhin: Viel Erfolg!

Kotschenreuther klein2Muntere Gesprächsrunde im Direktorat.Kotschenreuther klein2Kotschenreuther klein2

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