zeitzeugen iconEin besonders eindrückliches Erlebnis war für die Klasse 10c und einen Deutschkurs der Q11 mit ihren Lehrerinnen Frau Wendel und Frau Kelber der Besuch von Frau Liesel Binzer am 06.07.2017. Im Rahmen des Zeitzeugenprogramms „Zeugen der Zeitzeugen“, von Marina und Daniel Müller ins Leben gerufen, sprach Frau Binzer zu und mit den Schülern. In dem Projekt „Zeugen der Zeitzeugen“ interviewen junge ehrenamtliche Menschen die wenigen noch lebenden Holocaustopfer in Deutschland und zeichnen ihre Geschichte auf Video auf.

Durch die persönlichen Begegnungen erfahren die Holocaustüberlebenden Anerkennung und Wertschätzung. Die jungen Leute werden zu Zeugen der Zeitzeugen, die als Multiplikatoren das Gedenken an den Holocaust lebendig halten und gegen den Antisemitismus in unserer Gesellschaft ansteuern, wie Herr Müller den Schülern erklärte.

IMG 9516 bea620Liesel Binzer, geb. 1936, Holocaustüberlebende, die Theresienstadt überlebt hat, berichtete aus ihrem Leben. Sie erzählte von der Zeit vor, während und nach der NS-Diktatur. Besonders eindrücklich waren die alten Aufnahmen, mit denen sie Ihren Vortrag illustrierte und die den zahlreichen Opfern auch aus Binzers großer Familie ein Gesicht gaben. Bereits 1939 wurde die Familie im Zuge der Reichsprogromnacht aus ihrem Zuhause in Münster/Westfahlen, vertrieben und musste in einem sog. Judenhaus im Keller leben. 1942 wurde Liesel Binzer wegen ihrer jüdischen Herkunft zusammen mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert und dort von diesen getrennt. Der Schrecken der Deportation stehen ihr noch heute vor Augen. Sie erinnert sich noch an die Vorsorge ihrer Mutter, ihr mehrere Pullover und Mäntel anzuziehen, obwohl Juli war. Den Rest des Krieges verbrachte sie dort in einem Kinderheim und entging auf wundersame Weise den Deportationen in die Vernichtungslager, denen viele der anderen Kinder zum Opfer fielen. Von den ca. 25.000 Kindern, die über die Jahre in der NS-Zeit in Theresienstadt gewesen sind, haben nur 125 überlebt, erzählte Binzer, und sie sei eines von ihnen. Sie berichtete auch von der NS-Propaganda, die Theresienstadt als Vorzeigelager inszenierte. An eine Filmaufnahme erinnert Liesel Binzer sich noch genau: Sie sollte so tun, als sitze sie in Theresienstadt vor einer Eisdiele und esse einen Eisbecher – in Wahrheit war gar kein Eis darin und es gab auch keine Eisdiele! Mit solchen kleinen, persönlichen Erinnerungen vermochte es die alte Dame, die Geschichte lebendig zu machen. Das Wunder war, dass sowohl sie, als auch Ihre Mutter und ihr Vater diese Zeit überlebt haben, obwohl der Vater aus dem 1. Weltkrieg schwer geschädigt war und keine Beine mehr hatte. Auch die Zeit nach dem Krieg war nicht einfach. In die Heimatstadt Münster zurückgekehrt, musste die Familie nach wie vor für ihre Rechte kämpfen, dennoch schaffte Liesel das Abitur, wurde Betriebsprüferin und heiratete 1960. Sie hat drei Kinder und sechs Enkelkinder. Sehr hoffnungsfroh war der Blick auf Binzers heutige, inzwischen gewachsene Großfamilie zwischen Frankfurt, USA und Israel, in der bald ein neuer Enkel erwartet wird. Damit wollte sie den Schülern zeigen, dass es ihr gelungen ist, ihr Leben trotz der grausamen Unrechtszeit der NS-Herrschaft wieder in den Griff zu bekommen. Sie betonte aber auch, dass sie, und auch die anderen Opfer, die Auswirkungen des Holocaustes bis heute spüren und in den Herausforderungen des Lebens damit immer neu umgehen müssen. Dies tut sie mit einer tüchtigen Portion trockenen Humors, wie die Schüler feststellen konnten. In der anschließenden Gesprächsrunde wurde deutlich, dass Menschen auch damals in kleinen Dingen Zivilcourage und Mut bewiesen haben. Dazu forderte Liesel Binzer die Schülerinnen und Schüler auch in der heutigen Zeit auf, um für Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Herkunft, einzutreten. Mit großem Applaus und einem großen Dankeschön für diese wertvolle Begegnung verabschiedeten sich die Zuhörer von der Zeitzeugin.

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