Flyer UNiCoRn kleinDonnerstag, 23. Juni 2016, 19.30 Uhr, Theater Hof. Draußen hat es noch immer über 30 Grad, doch geschwitzt wird drinnen. Soeben hat sich der Vorhang gehoben und unter den Klängen von Richard Strauss‘ „Also, sprach Zarathustra“ betritt Thomas Laar die Bühne, als Chemielehrer. Mit dem ersten Paukenschlag zeigt er die Reaktion zweier Wasserstoffatome zu einem Wasserstoffmolekül. Ein stark exothermer Vorgang. Und spätestens jetzt ist klar: Ein normales Theaterstück wird das nicht.

Denn von links nähert sich Hannes Muggenthaler. Schulisch eigentlich in der Lage, die Reaktion nachzuvollziehen, doch nicht heute Abend. Denn Hannes ist das Einhorn UNiCoRn - und beginnt soeben seinen Trip durch die Chemie. Mit diesem Stück bringt das P-Seminar „Chemie und Theater“, unter der Leitung von Herrn Spieler und Frau Zimmermann ein Stück im klassischen Stile des dramatischen Gestalten auf die Bühne. Alle Szenen sind selbst geschrieben, kein Dialog kopiert, der Flyer, das Programmheft, die Requisiten, alles ist eigens für diesen Abend vom Seminar konzipiert worden.
Doch wir waren bei der exothermen Reaktion. Das Einhorn hat keinen blassen Schimmer, was ihm der Chemielehrer da erklären will und so bricht dieser es auf eine symbolisch-vereinfachte Ebene herunter, nämlich in Form des „Tanz der Moleküle“, der Szene von Ann-Sophie Guthke und Madeline Golibrzuch. Die beiden Narhalla-Tänzerinnen bringen zum ersten Mal eine eigene Choreographie auf die Bühne und zeigen, unter anderem zu Klängen aus „Game of Thrones“, wie die Reaktion auf Teilchenebene tänzerisch ablaufen könnte. In weißen Kleidern, weiß ist die Farbe des Wasserstoffs in der Chemie, auf einer dunklen Bühne, nur mit UV-Licht.
Anschließend hebt sich der Vorhang und man blickt auf ein Restaurant. Zwei Tisch, Bar, eigentlich ganz einfach. Doch die beiden Kellner, Thomas Laar und Lukas Huhn, tragen Chemiekittel. Dieser „Restaurantbesuch“ wird den Gästen, unter ihnen auch Susan Schneider und Sophia Markstein, noch lange in Erinnerung bleiben. Da werden Eiswürfel zu Frostwürfeln, Getränke beginnen Rauch zu entwickeln und ändern ihre Farbe und das Entzünden einer Kerze wird zum Feuerwerk. Und da die Schicht rechtzeitig endet, schaffen es sowohl die Gäste als auch die Kellner zur nächsten Szene, dem „Nightlife der Elemente“. Alle im Kurs sind beteiligt, auch wieder chemisch. Am Abend vor der wichtigen Chemieklausur, wollen Sena Sayin und Stefanie Völkel-Beltran ihre „Base chillen“ und im Club entspannen. Das Lernen hört damit jedoch nicht auf, denn Chemie ist überall! Sei es in Form eines DJs, der den Sauerstoff im Club darstellt, oder in Form der Barkeeperin Beryllia, die, ebenso wie ihr Erdalkalimetall-Namensvetter, den Gästen unbedingt zwei Drinks andrehen will, oder in Form des heiß begehrten Wasserstoffs, gespielt von Vanessa Gerbeth, fast das ganze Periodensystem ist im Club versammelt und reagiert munter vor sich hin.
Doch auch der schönste Abend muss einmal zu Ende gehen und das nicht ohne Spuren. Zu Beginn des „Drogentrips“ kommen Vanessa (gespielt von Vanessa Gerbeth) und Nina (gespielt von Nina Fleissner) durch die dunkle Gasse der Vorbühne. Vanessa mit deutlich zu viel Ethanol im Blut und Nina gelangweilt, denn sie hat sich nicht auf der Party amüsiert. Jetzt kommt der Auftritt, der, vor allem bei jüngeren Zuschauern, für Desillusionierung sorgt: Das Einhorn kommt auf die Bühne. Jetzt allerdings in schwarzer Lederjacke. Es ist UNiCoRn’s böser Zwilling Bad UNiCoRn. Und der gibt doch tatsächlich Drogen an Nina weiter. Mit den Worten „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Pille“ nimmt Nina die Droge und damit beginnt ihr Höllentrip. Nicht nur, dass am nächsten Morgen eine Chemieklausur ansteht, in Ninas Kopf laufen skurrile Szenen ab. Sie kann die Fragen nicht beantworten, sieht aber die Antworten vor sich. Da kommt zum Beispiel eine Strukturformel auf die Bühne (gespielt von Franziska Rauch) und räkelt sich vor Nina auf dem Pult. Da kommt eine ganze Molekülkette, die von einem Thermometer überrascht werden und dann ihren Siedepunkt erreichen und zerfallen, oder ein Spiegel der vergangenen Nacht, der Nina die Konsumform von Drogen verdeutlicht. Am Ende findet in Ninas Kopf eine wahre Reizexplosion statt, als alle Formeln, Strukturen, Halluzinogene und Einhörner vor ihr den Harlem Shake tanzen. Der Gong beendet den Trip und UNiCoRn, jetzt wieder der gute Bruder, warnt eindrücklich vor dem Konsum jeglicher Drogen.
Nina hat das jedoch nichts gebracht, denn ihre Klausur war leer und so beginnt nun für den Chemielehrer, der die Arbeit korrigieren muss, die „Achterbahn der Gefühle“. Für alle, die schon immer mal wissen wollten, was in einem Lehrerkopf so vor sich geht, ist diese Szene nun besonders attraktiv. Wut, gespielt von Franziska Rauch, Freude, gespielt von Sheka Fiedler und Trauer, gespielt von Saskia Hahn, korrigieren im Kopf des Chemielehrers die Klausur und dazu kommt es zum Wechselbad der Gefühle. Vor allem die Trauer, die erst seit der Zeit als Chemielehrer im Kopf wohnt, verdeutlicht die Lehreremotionen bei der Korrektur einer schlechten Klausur brillant. Doch auch Wut, die von einem cholerischen Anfall in den nächsten fällt, bringt die Lehrergedanken auf den Punkt. Freude, die, so erzählt es die Legende, auch ab und zu bei Korrekturen auftreten kann, schafft es am Ende aber doch, den ganzen Laden zusammen zu halten und animiert die abschließende Umarmung unter einem beschädigten Umhang. Es gongt zur Pause - aber nur zur Pause im Stück. Der Chemielehrer, von den Autorinnen „Herr Müller“ genannt, legt die Klausuren weg und greift zur Zeitung. Doch was er da liest, lässt ihn erschrecken, denn er ist tot! Wer? Michael Jackson! Beethovens 5. Symphonie leitet die letzte Szene des heutigen Abends ein, nachdem das Publikum durch ein Telefongespräch darüber in Kenntnis gesetzt worden ist, dass Michael Jacksons ehemalige Managerin den „King of Pop“ tot aufgefunden hat.
Chantal Pantalon, die Managerin und Julia Frank, die Kommissarin, eine Mischung aus Columbo, Monk und Inspektor Clouseau, betreten die Bühne und beginnen den Fall zu rekapitulieren. Dort, genau im Zentrum, liegt auch die Leiche des genialen Musikers (Sena Sayin). „Tod durch Kristalle“, könnte im Obduktionsbericht stehen, denn genau die ragen Michael Jackson aus dem Bauch heraus. War es Mord? Nun, eigentlich fahrlässige Tötung durch unsachgemäße Zubereitung des Gute-Nacht-Tees durch die Managerin, doch dieses Urteil wird nie gesprochen. Und so sitzt seit geraumer Zeit Michael Jacksons Leibarzt, Dr. (uni) Corn, im Gefängnis und verbüßt die Strafe.
Die Bühne wird in blaues Licht getaucht, alle stürmen auf die Bühne, beginnen sich zu umarmen und beglückwünschen sich. Das Publikum ist irritiert, soll es auch sein. Von hinten stürmt Stefanie Völkel-Beltran heran, spaltet die Menge und steht nun allein im Scheinwerfer auf der Bühne. Sie stellt die entscheidende Frage: „Soll das das Ende gewesen sein?“ War es nicht. Es ertönt die James-Bond-Titelmelodie und an der Leinwand am Ende der Bühne erscheinen die Konturen des Einhorns, welches von rechts nach links marschiert. Plötzlich springt es herum, man erkennt eine Waffe in seiner Hand, hört den Schuss, die Bühne färbt sich rot. Ende. Aus. Vorbei.
UNiCoRn’S Trip durch die Chemie ist beendet. Tosender Applaus des Publikums brandet auf. Es wird gedankt, v.a. dem Theater Hof für seine Kooperationsbereitschaft, sowie dem Theatertechnik-Guru, der das Schiller schon seit Jahren begleitet, Siegfried Bauer. Alle sind sich einig: Ein kurzweiliger Abend neigt sich dem Ende. Das Seminar ist überglücklich ob der gelungenen Vorstellung. Alle Dialoge selbst geschrieben, alle Requisiten selbst gebastelt, die Flyer, Plakate und Programmhefte selbst entworfen und gedruckt. Eine Eigenleistung findet an diesem Abend ihren krönenden Abschluss und jeder ist zufrieden. Die Chemie hat einfach gestimmt.

"Chemie ist schon faszinieren!" (v.l. Nina Fleissner, Stefanie Völkel-Beltran und Julia Frank) [Bild: Kerstin Hahn]

Zu viel Chemikalien geschnüffelt: Thomas Laar als Kellner im Chemie-Restaurant [Bild: Kerstin Hahn]

Umkehr des radioaktiven Zerfalls? Da gibt's nichts von Ratiopharm. Lukas Huhn (l.) und Franziska Rauch (r.) [Bild: Kerstin Hahn]

Tänzelt durch jede Szene: UNiCoRn (Hannes Muggenthaler) [Bild: Kerstin Hahn]

Treffende Darstellung eines Chemielehrer-Kopfs beim Korrigieren: Wut, Freude und Trauer (v.l.: Franziska Rauch, Sheka Fiedler und Saskia Hahn) [Bild: Kerstin Hahn]

"Und dann hab ich ihn so gefunden!" Michael Jackson (Sena Sayin, Mitte, liegend) fällt falschem "Zucker" zum Opfer. Seine Managerin (Chantal Pantalon, links) wird vom Kommissar (Julia Frank, rechts) überführt [Bild: Kerstin Hahn]

Gruppenbild mit Einhorn. Die Protagonisten aus "UNiCoRn's Trip durch die Chemie" [Bild: Kerstin Hahn]

 

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