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Aller Voraussicht nach wird es die Hoftex-Fabrikhalle in der Schützensstraße 9 in zwölf Monaten nicht mehr geben. Nachdem vergangenes Jahr noch etwas verfrüht vom "letzten Mal in dieser Location" die Rede war, konnte man vergangenes Wochenende augenzwinkernd "die vorläufig letzte Hoftexplosion" überhaupt erleben. Das Schiller zwinkerte mit (und bangt insgeheim um die Zukunft dieser kulturellen Institution).

 

Zum dritten Mal zeigten Schüler aus unseren Reihen ihr vielfältiges künstlerisches Talent. 10 Einzelaussteller und diverse Unterrichtsprojekte bildeten die größte Schillerschau seit unserem Einstand 2016. Grafik, Malerei, Fotografie und Video wurden dieses Jahr um Poesie, Kaligraphie und Assemblagen ergänzt. Doch bereits in den Eingängen ließ das Schiller mittels großformatiger Digitaldrucke grüßen. Weitere überdachten unsere Ausstellungsfläche aufs Angenehmste und lockten viele hundert Besucher an, die sich, je nach Zeitpunkt, verschiedener Performances durch fünf der ausstellenden Schüler erfreuen durften.

 

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Neben der wohligen Erfahrung, der eigenen Professionalisierung an diesen drei Tagen ein gutes Stück näher gerückt zu sein, konnte man mitunter auch etwas Geld nach hause tragen. 13 Arbeiten wurden verkauft. (Die fortlaufend entstandenen Grafik-Unikate von Marlena Schwotzer nicht eingerechnet.)

 

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Letzten Jahr noch hatte Jule Feulner Frauenportraits gezeigt, die sich bereits in malerischer Auflösung befanden. Nun ist der Schritt in die Abstraktion vollzogen. Jule stellt harte Farbtemperaturkontraste auf und sucht in der Folge deren formale Auflösung. Der Farbauftrag erfolgt dabei experimentell, mal ausgreifend geschwungen, mal gezielt platziert und dann wieder mit der Spachtel in splittrige Fragmente aufgelöst. Das Ergebnis erscheint sozusagen in Moll und kann daher als bildnerische Manifestation von Jules musikalischen Kompositionen angesehen werden.

 

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Luca Dietmanns langjähriges Bemühen um das perfekte Foto hat sich mindestens zweimalig ausgezahlt. In zwei denkbar weit von einander entfernten Szenerien lässt er das Licht sprechen, um zunächst alltäglichen Momenten ihre immemwohnende Poesie zu entlocken. So wird Industriearchitektur zum Kristallpalast und eine ordinäre Pferdekoppel zur naturgewollten Choreographie.

 

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An der Wand gegenüber war die literarische Poesie zu finden. Die in englischer Sprache verfassten Gedichte von Lea Strößner erzählen von Märchenhaften Figuren, die aber im Gegensatz zu den Fotografien gegenüber ihren Weg ins Reale suchen und dabei Erkenntnisse über das Wesen des Menschen mitbringen. In loser Verbindung zu diesen Gedichten stehen Leas Zeichnungen, in denen sich der Fineliner labyrintisch um seine Protagonisten bewegt. Dabei entstanden Strukturen, die dem geschriebenen Wort nahestehen.

 

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Das geschriebene Wort ist in den kleinen Grafiken von Sabrina Kuhn ein Gefundenes, das kaligraphisch aufbereitet und neben weiteren Zitaten in ein Ensemble aus Bormots und assoziativ hinzugefügten Zeichnungen gestellt wird. So ergibt sich ein melancholisch gefärbter Sinnzusammenhang über Verbindung und Abschied – im Ganzen viel mehr, als die Summe seiner Teile.

 

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Mia Dolla machte die Öffentlichkeit erst dieses Jahr mit einem beeindruckenden Pop-Art-Banner zum Innenhofkonzert auf sich aufmerksam. Die zunächst an Roy Lichtenstein erinnernden Motive geraten bei Mia in mannigfaltige Strudel aus Retro-Figuren, interstellaren Flutwellen und hintersinnige Phrasen. Letztere bieten sich dem aufmerksameren Betrachter an, die humorvollen konzeptionellen Gefüge aufzuschließen.

 

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Henrik Haasler entwirft Stadtansichten und Fortbewegungsmittel, die im stilistischen Bereich des Steam Punk anzusiedeln sind: eine Welt an der Schwelle zur Industrialisierung; durchsetzt sowohl mit mittelalterlich anmutenden Behausungen als auch mit allerlei hochtechnisierten Maschinen. So verschwimmen die Grenzen zwischen dem Jetzt und dem Einst und machen Szenerien den Weg frei, die gerade so fantastisch anmuten, dass sie eben noch wahr sein könnten.

 

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Mit seinen romantischen Lanschaftsfotografien bleibt sich Marc Ruddigkeit treu. Charakteristisch sind nebelverhangene Baumreihen, Morgendunst und Abendrot. Aber auch der städtische Raum wird zu besonderen Tageszeiten eingefangen. Ein herausragendes Werk ist jene mysteriöse Linienstruktur, die sich nur über den Titel "Tanz auf dem Eis" entschlüsseln lässt.

 

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Christina Krauß war eigentlich auf dem Sprung nach Neuseeland, konnte aber zu einem Zwischenstop in der Schützenstraße überredet werden. Ihre naturalistischen Gemälde reichen über Portrait und Stillleben bis zu einer Werkreihe aus Tierdarstellungen, die sich im Mittelgrund in spröde Farbwolken auflösen. In ihrer Anlage wunderbar koloristisch, müssen Sie über die Präsentation an Holzpaletten doch als Kommentar zum Handel mit exotischen Tieren gesehen werden. Die tendenziell abwärts-dynamischen Farbflächen finden so zu einer Mehrdeutigkeit.

 

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Als jüngste Teilnehmerin zeigt Hannah Schnabel Aquarellfarbkompositionen, welche sich zwischen illustrativer Fantasiewelt und Abstraktion bewegen. Obwohl erst in der sechsten Klasse, weiß sie schon jetzt mit einem freien Duktus und kompositorischer Experimentierfreude zu überzeugen.

 

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Drei bizarre Gestalten, wie aus einem Hieronymus-Bosch-Gemälde entsprungen, hatten seit der Hoftexplosion 3 überwintert, um ihre Erschafferin nun wieder anzutreffen und sie für drei Tage bei sich aufzunehmen. Nun sonnenartig gerahmt, ging von Ihnen für manchen Besucher ein Sog aus, der zuverlässig zu Marlena Schwotzer, der dienstältesten Teilnehmerin dieser Schau, führte. Kleine Tuschegrafiken, die mittlerweile vermehrt einen Farbeinschlag erhalten, entführten in Marlenas Multiversum aus bizarren Topografien und animalischen Referenzen. Immer öfter stehen nun humanoide Gestalten im Zentrum ihrer Zeichnungen. Aber auch unbewohnte Mikrokosmen voller surrealer Details wissen als frisches Metier zu begeistern.

 

Eine Sendung vom TVO zum Festival

Der Artikel zu unserem Beitrag auf der vorvergangenen Hoftexplosion 3


 

Allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön. Wer seine Exponate noch nicht selbst abgeholt hat, kann dies voraussichtlich ab Dienstag in der Schule nachholen. Das Selbe gilt für alle Einreichungen (Papierstreifen) zum Wettbewerb "Gib dem Schiller ein Gesicht."

 

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