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„Wenn Sie im Film ein Pferd reiten hören, sind’s immer Kokosnüsse“ – ein Gespräch mit Bernhard Bendig anlässlich der Hofer Filmtage

 

Es ist allseits bekannt, dass sich in der Woche der Hofer Filmtage alles, was im Filmgeschäft Rang und Namen hat, in der Saalestadt tummelt. Und so hatten die Schüler des W-Seminars „Psychologische Störungen in Literatur und Film“ von Herrn Falk und Frau Bürgel die Chance, sich in der Stadtbücherei mit Herrn Bernhard Bendig zu treffen, der bis vor Kurzem Filmgeschichte an der Hochschule für Medien in Stuttgart lehrte und bereits einige namhafte Regisseure ausgebildet hat.

Die Schüler erwartete eine Art Privatvorlesung in gemütlicher Runde. Herr Bendig zeigte sich vom anspruchsvollen Thema unseres Seminars beeindruckt und stellte uns sogleich einige Literaturempfehlungen vor, die für die Arbeit im Seminar und den anstehenden Seminararbeiten sehr hilfreich sein werden. Er kennt den Bestand der Stadtbücherei zum Thema Film so gut wie kein Zweiter, hat er doch dieser mehr als 4000 DVDs und 6000 filmwissenschaftliche Publikationen vermacht – eine Schenkung von unschätzbarem Wert, die Stadtbibliothek Hof besitzt nun den zweitgrößten Bestand an filmwissenschaftlichem Material in der Bundesrepublik!

Exkursion Filmbibliothek Bendig-bea620Bei seinem Streifzug durch die Filmgeschichte machte er deutlich, dass das Zusammenspiel von Bild und Ton in der heutigen Zeit hochtechnisiert ist und diese beiden Kanäle erst in der sog. „Post-production“ zusammengefügt werden, indem der Film im Nachhinein synchronisiert wird. Dies verlangt den Schauspielern enorm viel ab, gilt es doch, Gefühle in einer bestimmten Situation auch und besonders über die Stimme zu transportieren. Auch Geräusche werden im Nachhinein hinzugefügt, so werden beispielsweise Pferdehufe mit dem Aneinanderschlagen von Kokosnusshälften imitiert. Bendig betont, dass der Mensch auf bestimmte Geräusche konditioniert ist und nennt hierfür das Beispiel des schrillen Tons vor Auftauchen des Mörders in einem Thriller. Des Weiteren kommt er auf die Unterscheidung zwischen U- und E-Film (Unterhaltungsfilm und ernster Film) zu sprechen: Während der U-Film massenkompatibel ist, eventuell auch auf internationalen Erfolg hin angelegt sein und in verschiedenen Kulturkreisen funktionieren muss, möchte der E-Film eine ganz bestimmte Aussage des Filmemachers vermitteln. Gerade letzterer ist meist Gegenstand der Hofer Filmtage. Im zweiten Teil seines Vortrags plaudert der Filmexperte aus dem Nähkästchen der Filmpraxis: „Wissen Sie eigentlich, wer Alan Smithee ist?“ - Ein Phantom, dessen Name stellvertretend für alle Regisseure steht, die nach Beendigung der Dreharbeiten von ihrem Regieauftrag zurückgetreten sind, da sie letztendlich mit dem Ergebnis nicht zufrieden waren. Den Schülern wurde während des Vortrags auch bewusst, dass neben Schauspielern, Regisseur und Kameramann eine Vielzahl an weiteren Beteiligten einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Entstehung eines Films leisten. Der continuity-Assistent sorgt zum Beispiel dafür, dass nach einem Cut bei Wiederaufnahme der Dreharbeiten Filmset, Kostüme etc. gegenüber der zuvor gedrehten Szene unverändert sind.

Schließlich erfährt er im Gespräch mit den Schülern, nach welchen Kriterien diese Filme auswählen. Neben emotionalem Involvement und vielversprechenden Schauspielern, die meist für ein bestimmtes Filmgenre stehen, betonen die Schüler, dass die Filmauswahl auch abhängig von ihrer jeweiligen Stimmung ist, sie sozusagen den Antagonismus suchen. Bernhard Bendig lobt das selektive Vorgehen der Schüler und kommt noch auf die Funktion der Filmkritik zu sprechen. Abschließend sind sich alle einig, dass eine gute Filmkritik den Inhalt nicht spoilern, sondern vielmehr dazu anregen sollte, sich selbst ein Urteil über den Film zu bilden. Die Schüler und die begleitende Lehrkraft Frau Bürgel danken Herrn Bendig für seinen Vortrag und verabschieden sich mit hilfreichen Literaturtipps im Gepäck.

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